Sensationeller Sieg über den Vize-Schweizermeister

Bereits in der Vorrunde zeichnete sich ab, dass für die Urner gegen Kriessern vieles möglich ist. Damals entschied der allerletzte Kampf über Sieg und Niederlage, mit dem besseren Ende für die Ostschweizer (15:19). Für die Rückrunde nahm der Coaching Stuff um Trainer Michael Jauch einige Rochaden vor, was mit einem Überraschungssieg gegen den amtierenden Vize-Schweizermeister belohnt wurde (20:19). Mit dem «Big Win» brachten sich die Schattdorfer somit zurück ins Geschäft um die Playoff-Qualifikation.

von: Caroline Bucher

Peter Zberg bei seinem Schultersieg über Dorien Hutter

Kriessern belegte vor dem Kampf den dritten Tabellenrang, Schattdorf hingegen grüsste vom Tabellenende. Davon liess sich das Urner Fanion Team jedoch nicht beirren und legte gleich los wie die Feuerwehr. Stone Perlungher und Joel Gächter zeigten sich beide aktiv und versuchten das Momentum auf ihre Seite zu bringen. Perlungher nutzte die erste Aktion zur 1 zu 0 Punkteführung. Kurze Zeit später zog Joel Gächter mit 1 zu 3 Zählern davon, aber der Schattdorfer fing sich wieder und konnte ausgleichen. Perlungher vermochte den Aufwind zu nutzen und holte sich mit einem Suplex die maximal mögliche Punktezahl für eine Einzelaktion zur 8 zu 3 Führung. Perlungher lancierte Aktion um Aktion, aber der Kriessener blieb stets fokussiert und konnte seinerseits ebenfalls immer mal wieder Zähler holen. Nach rund vier Kampfminuten schien dem Rheintaler immer mehr die Luft auszugehen und Perlungher erhöhte sein Punktekonto immer weiter zum 18 zu 6 Punktesieg. Teamtrainer Michael Jauch traf auf den 13 Jahre jüngeren Jürg Hutter. Die beiden Akteure neutralisierten sich lange gegenseitig, doch Jauch ging mit einer Drei-Punkte-Führung in die Pause. Auch nach dem Unterbruch kam der Rheintaler nicht aus der Passivrolle heraus. Der Schattdorfer liess sich immer wieder Zählbares gutschreiben und kam ungehindert zum 5 zu 0 Punktesieg. In der Gewichtsklasse bis 61kg Freistil kam es zum Showdown zwischen Thomas Epp und Sandro Hungerbühler. Epp ging zwar in Führung, musste aber kurze Zeit später am Mattenrand Punkte in St. Galler Hände abgeben (2:2). Epp, welcher gerade erst von der U23-WM aus Tirana zurückkehrte, zeigte eine gute Leistung und kontrollierte das Kampfgeschehen. Der Kriessener zeigte sich jedoch sehr agil und konzentriert, doch der Schattdorfer stockte sein Punktekonto kontinuierlich weiter auf. Die zwei Akteure lieferten dem Publikum ein spannendes Duell bis zur letzten Sekunde. Hungerbühler bot Epp vehement Paroli, doch der Flüeler sicherte sich den 12 zu 2 Punktesieg. Flavio Herger duellierte sich mit dem Internationalen Ramon Betschart. Da die Favoritenrolle klar bei Betschart lag, hatte Herger nichts zu verlieren. Er zeigte gute Defensivarbeit und machte das Punkten für den Ostschweizer schwer. Die Konzentration zahlte sich aus und Herger konnte zum 1 zu 5 Punktezwischenstand verkürzen. Der Punkteverlust schien den Rheintaler wachzurütteln, wodurch dieser einen Zahn zulegte und den Urner mit 1 zu 16 Punkten durch technische Überlegenheit auspunktete. Herger holte aber einen wichtigen Punkt auf das Mannschaftskonto. Den fünften Kampf trugen Sven Gamma und Dimitar Sandov aus. Beide sind Punkteleader ihrer Mannschaften, was die Partie besonders spannend machte. Sandov konnte mit zwei Zählern in Führung gehen. Gamma konnte dem stark auftretenden Sandov nichts entgegensetzen und musste sich stets defensiv beweisen. Bereits zur Kampfhälfte lag Gamma mit 0 zu 8 Punkten im Rückstand. Doch auch nach der kurzen Verschnaufpause war es der Kriessener, welcher weiter am Drücker war und den Kampf frühzeitig mit 0 zu 15 Punkten für sich entschied. Zur Pause stand es somit 10 zu 10 Punkte und beide Teams lagen gleich auf.

Joel Marti und Saifulla Avtorkhanov eröffneten die zweite Hälfte des Kampfabends. Die Urner Verstärkung Joel Marti kämpfte zum zweiten Mal in den Schattdorfer Farben. Der Kriessener startete abgeklärter und riss das Zepter von Beginn weg an sich, was ihm die Zwei-Punkte-Führung einbrachte. Danach liess der Ostschweizer etwas nach, doch lange wurde Martis Leistung nicht mit Punkten honoriert. Doch der Zentralschweizer blieb hartnäckig und wurde doch noch mit Zählbarem belohnt. Durch den 3 zu 6 Punktezwischenstand wurde die Stimmung neu angeheizt. Marti gelang es zum 6 zu 6 Unentschieden aufschliessen, wodurch das Publikum bebte. Marti zeigte eine super Aufholjagd und sorgte für ein Riesenspektakel in der Isenringen-Halle. Trotz dem 6 zu 6 Punktegleichstand ging der Sieg in Kriessener Hände. Damit lagen die Schattdorfer knapp mit 11 zu 12 Punkten im Rückstand. Peter Zberg und Dorien Hutter begegneten sich auf Augenhöhe. Erst ein Push-Out brachte erste Punkte für den Rheintaler ein. In der Vorrunde entschied Hutter das Duell mit 6 zu 10 Punkten für sich, aber Zberg behielt einen klaren Kopf. So gelang es dem Bristner seinen Kontrahenten kurzerhand zu schultern und brachte so den Beckenrieder-Hexenkessel endgültig zum Toben. Mit diesem Coup brachte Zberg sein Team mit 15 zu 12 Punkten in Führung und zurück auf die Siegesstrasse. Langsam, aber sicher bahnte sich ein «Urner Abend» an. Nicolas Christen traf in der Gewichtsklasse bis 80kg Greco auf Daniel Loher. Der Urner zeigte sich gewohnt taktisch und zwang seinen Kontrahenten zur Passivität. Diese wusste Christen zu seinen Gunsten zu nutzen. Einmal mit dem Punkten begonnen, stoppte er erst beim 15 zu 0 Punkteendstand und dem Sieg durch technische Überlegenheit (15:0). Christen liess keine Sekunde Zweifel an seinem Sieg zu und brachte die Urner mit 19 zu 12 Punkten in Führung. Als nächstes trat mit dem Lokalmatador Benjamin Gander der nächste Urner Gladiator in die Arena. Lautstark unterstützt vom zahlreichen Publikum schüttelte er David Loher die Hand. Loher konnte mit einer schönen Viererwertung in Führung gehen. Gander wehrte sich nach Leibeskräften und verhinderte am Boden weitere Punkte (0:9). Der Urner zeigte sich stets sehr kämpferisch. Auch nach dem Unterbruch hatte der Kriessener die Oberhand, doch Gander bewies einen klaren Kopf und punktete seinerseits mehrfach zum 3 zu 13 Punktezwischenstand. Angefeuert vom Publikum und zeigte er eine super Leistung, blieb hartnäckig und konzentriert, was ihm zwar die 5 zu 14 Punkteniederlage einbrachte, aber für Kriessern nicht das Punktemaximum bedeutete. Beinahe hätte Gander diese Top-Leistung gar noch mit einem Schultersieg küren können, doch das Ablaufen der Kampfzeit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit diesem Punktegewinn stand der Wahnsinns-Coup somit bereits vor dem letzten Kampf des Abends fest (20:15). Doch Lars Epp zeigte gegen Marc Dietsche dennoch einen beherzten Kampf. Der Internationale Dietsche reihte Punkt an Punkt und entschied den Kampf nach rund zwei Minuten mit einer technischen Überlegenheit für sich (0:16).

Doch diese Niederlage minderte die Siegessprünge und Freudenschreie der Schattdorfer kein bisschen. Mit einer taktischen sowie kämpferischen Meisterleistung konnten die Urner endlich reüssieren und holten sich mit 20 zu 19 Punkten den Sieg über Kriessern. Damit überholen die Urner in der Tabelle Oberriet-Grabs und können endlich die rote Laterne abgeben. Die Schattdorfer haben sich somit eine gute Ausgangsposition für die letzten zwei Kampfrunden geschaffen und halten sich sogar noch die Playoff-Chancen offen. In den zwei Direktduellen gegen Einsiedeln und Oberriet wird es eine heisse Qualifikations-Schlussphase geben. Am nächsten Wochenende, 4. November 2023 treffen die Schattdorfer auswärts in der Sporthalle Brüel (20:00 Uhr) auf den Tabellennachbar Einsiedeln. Die Klosterdörfler befinden sich mit sechs Punkten auf dem vierten Tabellenrang. Anschliessend kommt es am Samstag, 11. November 2023 zum letzten Show-Down gegen den momentan Tabellenletzten Oberriet-Grabs. Die Ostschweizer liegen mit einem Zähler weniger als die Schattdorfer auf dem letzten Platz. Neben diesem vielleicht alles entscheidenden letzten Saisonkampf wird es am 11. November 2023 noch viel weiteres Rahmenprogramm geben. Ab 17:00 Uhr wird in der Isenringenhalle mit einer Hüpfburg sowie Festwirtschaft der Kampfabend eingeläutet. Anschliessend folgt um 17:30 Uhr ein 45-minütigs Schnuppertraining für die Kleinsten (5-12 Jahre). Um 20:00 Uhr findet dann der NLA-Kampf zwischen Schattdorf und Oberriet-Grabs statt, bevor es ab 22:00 Uhr Nachtessen und einen Ringerhock in der Halle gibt.