Starke Leistung mit bitterem Ausgang

Eine kampfstarke Schattdorfer Truppe wurde vom Unparteiischen mehrfach benachteiligt. Dieser beeinflusste die bis zum Schluss spannende und offene Begegnung gleich in mehreren entscheidenden Situationen. Nach einem schlechten Start steigerten sich die Urner massiv und hätten am Schluss dennoch als Sieger von der Matte gehen können.

Von: Caroline Bucher

Lars Epp in der Defensive gegen Jan Neyer

Lion Husmanns Gegner ist zwar bereits der älteren Garde zuzuordnen, aber der ehemalige internationale Spitzenringer Alexander Golin ist immer noch topfit und technisch stark. Der Schattdorfer musste an diesem Abend neidlos zugestehen, dass sein Kontrahent ihm überlegen war und noch in der ersten Wettkampfhälfte mit 15 zu 0 Punkten sowie technischer Überlegenheit die ersten vier Punkte für die Schwyzer ins Trockene brachte. Die Ufhusner Verstärkung in den Farben der Schattdorfer reichte die Hand dem x-fachen Schweizermeister Sven Neyer, seines Zeichens auch technischer Leiter der Einsiedler. Die zehn Kilogramm, welche Neyer mehr auf die Waage brachte, waren augenfällig, aber es war Simon Marti, der die ersten Punkte machte. Zur Pause stand es 2 zu 0 und auch in der zweiten Kampfhälfte erkämpfte sich der Luzerner zwei weitere Zähler. Es machte den Anschein, dass Marti seinen Gegner „im Griff“ hat, doch der Schwyzer Routinier brachte nach mehreren Versuchen einen Haken durch und vervollständigte die Aktion am Boden zum Schultersieg. Eine zu diesem Zeitpunkt überraschende Wende, welche die Einsiedler mit 8 zu 0 Punkten in Vorsprung brachte. Nun mussten aber rasch Punkte für die Schattdorfer her, ansonsten würde es wie beim Hinkampf (13:23) zu einem klaren Sieg der Einsiedler kommen. Der Flüeler Thomas Epp wollte dem Heimpublikum zeigen, was er drauf hat. Letzte Woche startete er an der U23 Weltmeisterschaft in Spanien und musste dort dem ehemaligen Juniorenweltmeister aus Japan mit einer 0 zu 6 Punkteniederlage den Vortritt lassen. Gino Gugolz, ein 15-jähriger Nachwuchsathlet, der bislang vorwiegend in der 1. Liga kämpfte, musste sich von Beginn weg auf das Verteidigen konzentrieren. Doch alle Gegenwehr half nichts gegen die Kampfkraft von Epp und im Verlaufe der zweiten Wettkampfhälfte stand der Schattdorfer mit 16 zu 0 Punkten als Sieger durch technische Überlegenheit fest. Der Kampf in der 97 kg Gewichtsklasse dauerte nur eine Sekunde. Elias Kempf gab den Kampf gesundheitsbedingt vorzeitig auf. Somit ging der Abend für Damian von Euw, derzeitiger Leader des Schweizer Greco Nationalkaders und WM-Siebter von Belgrad, kampflos aus. Somit stand es nach vier Kämpfen 4 zu 12 Punkte zugunsten der Klosterdörfler. Beim letzten Kampf vor der Pause gaben sich mit Sven Gamma und Michel Schönbächler zwei sehr erfahrene Ringer die Hand. Beide gingen schon als Sieger wie auch Verlierer von der Matte und vielfach waren es sehr enge Partien. Dies war auch an diesem Abend nicht anders. Der Einsiedler konnte sich wegen einer Passivität des Urners einen Punkt gutschreiben lassen, welcher zur Pause die einzige Wertung bedeutete. In den zweiten drei Minuten drehte dann Gamma auf und ebenfalls aus einer Passivitätsszene heraus konnte er sich drei Punkte gutschreiben lassen. Diese 3 zu 1 Punkteführung blieb bis zum Schluss bestehen, was zwei Mannschaftspunkte für Schattdorf und einen für Einsiedeln bedeutete.

Zur Pause stand es somit 6 zu 13 für Einsiedeln, was genau dem Pausenstand im Hinkampf entsprach. Dazumal konnten dann die Schwyzer weiter zulegen, doch dies wollten die Urner mit aller Vehemenz verhindern. Der Routinier und mehrfache SM-Medaillengewinner sowie ehemaliger Kaderringer Yves Neyer wusste bestimmt, dass ihm mit Sven Epp ein hungriger und gut ausgebildeter Ringer gegenübersteht. Der Seedorfer machte bereits in den ersten drei Minuten klar, dass er auf Sieg programmiert war und er durfte sich mit einer 6 zu 1 Punkteführung in die Coachingecke von Richi und Erich Gisler begeben. Nach der Pause machte der Einsiedler Terrain gut und ging in Führung. Doch dann wurde dem Urner vom Unparteiischen Kilian Motzer eine Viererwertung nicht zugestanden bzw. dem Gegner gutgeschrieben. Anstatt einer erneuten Führung war es nun ein klarer Punkterückstand, welcher sich am Schluss mit 6 zu 13 Punkten manifestierte. Ein bitteres Ende dieses Kampfes, welches nicht dem Gezeigten entsprach. Die Schattdorfer Anhängerschaft erhitzte sich zum ersten Mal und die Stimmung in der sehr gut gefüllten Grundmatte-Turnhalle nahm spürbar zu. Nun mussten alle verbleibenden vier Urner Kämpfer alles geben, um doch noch mindestens einen Punkt für die Tabelle retten zu können. Als erster versuchte der Bruder von Sven, Lars Epp, den Punkterückstand wettzumachen. Der Seedorfer startete stark gegen den zehn Jahre älteren SM Medaillengewinner Jan Neyer, seines Zeichens der dritte von vier Neyer-Brüdern, die an diesem Abend auf der Matte standen. Man könnte auch sagen, die Partie Schattdorf gegen Einsiedeln bestand fast zur Hälfte aus Kämpfen von Ringern mit Namen Epp und Neyer. Wie erwähnt startete Lars sehr stark und ging mit 6 zu 2 Punkten in die Pause. Die Hoffnungen der Urner stiegen, wurden aber in der zweiten Hälfte gebremst, denn Neyer konnte ausgleichen und ging mit dem Punktestand von 6 zu 6 als Sieger von der Matte, da er die letzte Wertung gemacht hatte. Nun lag es am Leader der Schattdorfer, Nicolas Christen, ein klares Resultat zu erkämpfen. Ihm gegenüber stand der grossgewachsene und kräftige Sascha Schmid, welcher genau dies zu verhindern versuchte. Der Attinghausner zeigte von Beginn weg, wer möglichst viele Punkte einfahren will. Zur Pause stand es 7 zu 0 Punkte. Auch nach der Pause machte Christen den Kampf, wurde aber vom Schiedsrichter als der Passivere eingestuft, was Sascha Schmid einen Punkt einbrachte. Hiermit dürfte der Schwyzer sein Minimalziel wohl schon erreicht haben. Christen konnte sein Punktekonto zwar bis zum Schluss auf 13 zu 1 ausbauen, was jedoch nicht der Maximalausbeute entsprach. Aber noch war nichts verloren, die Schattdorfer konnten den 11 zu 19 Punkterückstand in den verbleibenden zwei Kämpfen immer noch ausgleichen. Was die Zuschauer im zweitletzten Kampf zu sehen bekamen, war einfach nur rassiger Ringersport und unbändiger Siegeswille. Der Nidwaldner Benjamin Gander strotzte nur so vor Kampfeslust und kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, ging das Kampfgeschehen nur in eine Richtung. Punkt um Punkt wurde dem Schattdorfer gutgeschrieben und zur Pause stand es 7 zu 0. Auch nach dem erneuten Start gab es nur einen Ringer, der sich Zählbares zuschreiben lassen konnte. Störend war, und dies brachte das Publikum erneut zum Kochen, dass dem Schattdorfer Ringer ein nicht statthafter Griff vorgehalten und auch wegen eines angeblich unkorrekten Griffes der Schultersieg nicht gewährt wurde. Das Unverständnis bei den Coaches und Ringern war enorm, doch zum Glück liess sich Gander von diesem Umstand nicht ablenken. Er vervollständigte das Punktetotal auf 15 zu 0 und ging als Sieger durch technische Überlegenheit von der Matte. Am Schluss des Kampfes wurde er als „Best Fighter“ der Urner mit einem Glas Honig gekürt. Bei den Einsiedlern erhielt Sven Neyer die gleiche Auszeichnung. Vor dem letzten Kampf stand es somit 15 zu 19, was die Urner zumindest noch auf ein Unentschieden hoffen liess. Der letzte der drei Epp-Brüder aus Seedorf und der Letzte der vier Neyer-Brüder aus Einsiedeln standen sich im letzten Fight gegenüber. Den besseren Start legte der Urner hin. Mit einer 3 zu 0 Punkteführung ging es in die letzte Pause. Danach gelang es dem Einsiedler, selbst Punkte zu machen. Somit konnte nur noch ein Schultersieg das Unentschieden bringen, doch dies liess der kampfstarke und wenig ältere Neyer nicht zu. Epp jedoch zeigte bis zum Schluss vollen Einsatz und wurde als vielbejubelter Sieger mit 8 zu 6 Punkten verabschiedet. Ein versöhnlicher Abschluss, welcher aber den Frust der Urner nicht zu dämpfen vermochte, zu einschneidend waren die zahlreichen fragwürdigen Regelauslegungen. Schade um den tollen Ringerabend, bei welchem sich die Schattdorfer nicht vorwerfen lassen mussten, nicht alles in ihrer Macht Stehende getan zu haben. Mit der 17 zu 20 Niederlage gegen Einsiedeln dürfte der Zug für die Play-Offs abgefahren sein. Um nicht in die Mühlen eines Abstiegskampfes zu kommen, müssten die Urner in den letzten beiden Partien gegen zwei Spitzenteams Punkte holen oder aber Oberriet-Grabs kommt nicht noch zu zwei Siegen. In zwei Wochen, am Ende der Qualifikationskämpfe, wissen wir alle mehr. Für die RRS geht es am Samstag, 5. November 2022 zuhause um die nächsten Punkte. Eine regelrechte Finalissima wird sich dann in der heimischen Grundmatte abspielen. Um 16.15 Uhr wird der 1. Liga Kampf um die Brozemedaille zwischen Kriessern und Freiamt ausgetragen. Anschliessend folgt der Showdown von Schattdorfs Zwei gegen Willisau, in welchem es um Gold und Silber in der 1. Liga geht. Am Abend um 20.00 Uhr folgt dann noch der NLA-Kampf zwischen Schattdorf und Freiamt