Doppel-Schweizermeister Kriessern gefordert, mehr jedoch nicht!

Die Schattdorfer vermochten den Doppelschweizer nicht zu überraschen und steckten eine klare Niederlage von 13 zu 23 Punkten ein. Nichtsdestotrotz gab es spannende und beherzte Duelle zu beobachten.

von Caroline Christen

Neue Saison mit zwei Verstärkungen aus dem Wallis
Nach neun Monaten Wettkampfpause fanden letzten Samstag wieder die ersten Kämpfe in der Swiss WINFORCE League statt. Im Vorfeld wurde ein packendes Duell mit Top-Begegnungen versprochen. Neben diversen aktiven Nationalkaderringern auf der Seite der Kriesserer konnte Schattdorf zwei Verstärkungen vom Lutte Team Valais präsentieren. Der bereits gut bekannte Kim Besse (zurück von seiner Schulterverletzung letzte Saison) wird diese Saison gemeinsam mit Tanguy Darbellay das Urner Fanionteam unterstützen. Für den richtigen Vorgeschmack sorgte der neue Trailer der RRS aus der Produktion von Nicola Euler (www.nicolaeuler.ch). Der Film erlaubt es den Zuschauern einen Blick über die Schulter und hinter die Kulissen in Vorbereitungszeit der Ringer für die Mannschaftsmeisterschaft zu werfen.

Drei Siege für die RRS in der ersten Kampfhälfte
Im letzten Jahr verloren die Schattdorfer ihre zwei Duelle gegen die Rheintaler klar mit 11 zu 27 und 11 zu 30 Punkten. Die RRS konnte gegen das starke Kriessern jeweils wenig ausrichten. An dieser Tatsache wollten die Urner dieses Jahr etwas ändern. Bereits vor dem ersten Anpfiff lag die Spannung greifbar in der Luft. Die Urner traten konzentriert auf und schienen heiss auf die Kämpfe zu sein. Die Eröffnung des Saisonstartkampfes übernahm Thomas Epp. Für Epp war dies die Premiere in der NLA. Seinen Einstand gab er gegen den Alteingesessenen Urs Wild. In diesem Generationenduell übernahm Epp die Rolle des hoffnungsvollen Nachwuchskaderringers und Wild, mit seinen beinahe doppelt so vielen Jahren auf dem Buckel, wurde diejenige des Routiniers zugewiesen. Epp ist jedoch ebenfalls bereits 14-facher Schweizermeister und somit war eine spannende Ausgangslage garantiert. Nach einem harten Kampf an der Seitenlinie und einer nicht verwerteten Aktivitätszeit gelang Epp 0 zu 3 in Rückstand. Bei lautstarker Unterstützung vermochte Epp beim Stand von 0 zu 7 Punkten die ersten zwei Zähler zu markieren. Danach schien der Bann gebrochen zu sein und Epp zeigte sich aktiver sowie gelöster. Im Stand von 4 zu 7 gelang Epp nach einer Unachtsamkeit jedoch erneut klar in Rückstand. Diesen vermochte er nicht mehr zu kehren und verlor trotz grossem Kampfwille mit 6 zu 11 Punkten. Bereits in seinem ersten Kampf in der Swiss WINFORCE League konnte Epp den ersten Punkt für die Schattdorfer erkämpfen.
Der mit Weinfelden Doppellizenzierte Wild konnte nach dem an den Reserven zehrenden Kampf beinahe nicht mehr mit eigener Kraft von der Matte gehen. Da liegt für Epp wohl noch mehr drin gegen den Alt-Routinier. Go Thomi, weiter so!
Der Urner Routinier Michael Jauch traf auf den aktuellen Assistenztrainer im Nationalkader Damian Dietsche. Der erste Punkt wurde zu Gunsten von Jauch nach einer Passivität gegen Dietsche vergeben. Die Ausgangslage auf dem Bauch konnte Jauch jedoch nicht ausnutzen. Dietsche trat in den letzten Jahren nicht in der höchsten Gewichtsklasse an. Diesen Vorteil vermochte Jauch souverän auszunutzen und ermöglichte dem jungen Dietsche nicht viele Chancen zu punkten. Nach einer zweiten Passivität konnte sich Jauch mit einem Durchdreher einen 4 zu 0 Vorsprung einräumen. Jauch machte einen fitten und sehr abgeklärten Eindruck. Der Routinier und wichtige Teamstütze sicherte der RRS mit einem 4 zu 0 Punktesieg weitere zwei Mannschaftspunkte und sorgte für den vorläufigen Gleichstand zwischen den beiden Kontrahenten.
Die beiden sehr routinierten Ringer Sven Gamma und Christoph Wittenwiler reichten sich im Anschluss die Hand. Gamma ging mit einem herrlichen Angriff mit 4 zu 0 Punkten in Vorsprung. Der Betreuerstab, an diesem Kampf anders als gewohnt aus Marco Gisler (Coach) und Nicolas Christen zusammengesetzt, wurde ein erstes Mal durch medizinische Hilfeleistung gefordert. Doch Gamma liess sich auch nach einer Schrecksekunde mit einer blutenden Kopfverletzung nicht beirren und baute seinen Vorsprung souverän auf 12 zu 0 Punkte aus. Er bewies, dass er das Wechselspiel zwischen Defense und Offense ausgezeichnet beherrscht. Bei diesem Duell schwang die Anspannung von beiden Fanlagern deutlich mit. Leider musste Gamma kurz vor der Pause nach einer kurzen Unachtsamkeit zwei Zähler zum Pausenstand von 12 zu 2 abgeben. In gleicher Manier ging das Kampfgeschehen auch nach der kurzen Erholungszeit weiter. Beide Akteure gaben alles und Gamma behielt mit grossen Kämpferherzen die Oberhand und rettete den Sieg über die Zeit. Gamma war stets der bessere Ringer, wurde aber durch unzählige Unterbrüche, basierend auf seiner Kopfwunde, immer wieder unterbrochen. Ausgepumpt reichte die Kraft noch für den Shakehand und zu seinem 14 zu 8 Punktesieg sowie dem Jubel zum Publikum. Gute Besserung Sven!
In Elias Kempf’s Brust schlagen gleich zwei Kämpferherzen, denn er ist sowohl im Schwing-, wie auch im Ringsport aktiv. Kempf trat gegen den jungen Noel Hutter an und bewies einmal mehr, dass er im Ringen keineswegs unterschätzt werden darf. Er liess sich den ersten Punkt nach einer Passivitätszeit sichern und stockte kurz darauf durch geschicktes Blockieren mit den nächsten zwei Zählern vor der Pause auf (3:0). In allerletzter Sekunde gab Kempf in der zweiten Halbzeit einen Punkt an die Kriesserer ab. Kempf bewies seine Ausdauerfähigkeit und punktete sich immer weiter zu seinem ersten Saisonsieg (8:1).
Mit Bravour machte Simon Gerig bereits in den ersten paar Sekunden einen Angriff vom jungen Internationalen Dominik Laritz zu Nichte. Kurz darauf musste er dem Kriesserer jedoch das erste Zählbare abtreten. Im letzten Jahr verlor Gerig das gleiche Duell mit 15 zu 5 Punkten. Auch in diesem neuen Kampf scheffelte Laritz immer weiter Punkte auf sein Konto und so stand es zur Pause bereits 0 zu 6. Erst nach rund vier Minuten Kampfzeit konnte Gerig die ersten vier Punkte realisieren. Von da an schien der Urner wie wachgerüttelt und reihte Zähler um Zähler. Gerig verlor sein erstes Duell nach verpasstem Start am Ende klar mit 8 zu 18 nach Punkten.
In der ersten Kampfhälfte vermochten die Urner zu überzeugen. Drei der fünf Fights konnten die Urner für sich entscheiden und boten ihrem Gegner aus Kriessern Paroli. Der Pausenstand von 10 zu 8 Punkten liess auf eine weitere spannende Kampfhälfte hoffen.

Spannende Einblicke beim Pauseninterview mit Dani Arnold
In der Pause kamen die zahlreichen Zuschauer in Genuss von einem sehr spannenden Interview mit Extremalpinist Dani Arnold. Eindrücklich referierte er über seine Leidenschaft zum Speedklettern ohne Sicherung – dem Klettern ohne jegliche Hilfsmittel wie Gurt oder Klettergurt. Laut Arnold können Speedkletterer sich so ihre eigenen Regeln machen. Weiter bezeichnete er diese Art des Kletterns als «aktiver Verzicht auf die Sicherheit». Arnold wollte dies einfach mal erleben, aber er werde es wohl nie mehr so machen. Die grosse Passion sei jedoch das Eisklettern. Er liess zudem verlauten, dass er wohl lieber einen Helm tragen würde, wenn er auf der Ringermatte antreten müsste.

Nach der Pause ging es mit dem Duell zwischen Fabio Dietsche und Lucas Epp weiter. Dietsche ist einer der Trainingskollegen von Nicolas Christen im Nationalkader. Epp übernahm in diesem Kampf den Platz von Christen in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm Greco. Dietsche nahm gleich zu Beginn das Zepter in die Hand und punktete mehrmals. Epp seinerseits bekam mehrere Verwarnungen auf sein Konto zugeschrieben und bewegte sich in Folge auf dünnem Eis. Nach knapp drei Minuten war dieser Kampf bereits vorzeitig mit 0 zu 15 Punkten und einer Punkteniederlage zu Ungunsten der Schattdorfer entschieden.
Der Ungare Gabor Volnar ist Jugendtrainer bei Kriessern in der Stilart Greco. Er machte sich ruhig und konzentriert gegen Renato Kempf ans Werk. Trotz dem 0 zu 5 Rückstand kam Kempf nach der Pause mit viel Biss und Kampfwille zurück. Auch beim 0 zu 14 Rückstand wallten die Emotionen auf beiden Seiten der Halle noch sehr hoch. Trotz mehreren Unstimmigkeiten auf Seiten der RRS sowie dem Schiedsrichter Alois Fässler gab es für den engagierten Kempf keinen Punkt und so stand es am Schluss 0 zu 12.
Der Doppellizenzierte Tanguy Darbellay ist amtierender Schweizermeister im Freistil. Auch Tobias Betschart ist ausgewiesener Freistilspezialist. Nach zwei Verwarnungspunkten gelang es Betschart gegen den hochgewachsenen für die Schattdorfer ringende Darbellay noch weitere zwei Zähler zu sichern. Doch dieser Walliser vermochte sich nochmals aufzuraffen und holte sich zwei Anschlusspunkte zur knappen 2 zu 3 Punkteniederlage.
Als nächster trat der bereits bekannte Walliser Kim Besse in den Ring. Der gut genesene Besse traf auf den Internationalen Marc Dietsche. Mit einem sauberen Armangriff verbuchte Besse erste vier Punkte. Mit einer umstrittenen Aktion gelang es Dietsche jedoch noch vor der Pause mit 5 zu 4 in Führung zu gehen. Letztes Jahr verlor Besse dieses Duell mit einer Schulterniederlage. Im neuen Duell zeigte sich Besse mit grossem Kampfwille und er versuchte in der zweiten Kampfhälfte seine Rücklage noch zu wenden, musste sich aber mit 4 zu 6 Punkten knapp geschlagen geben.
Das Gegenüber von Mateo Dodos ist ebenfalls eine Doppellizenz aus dem Wallis, dieses Mal jedoch für die Kriesserer Fraktion ringend. Isa Usupov ist ursprünglich aus Russland stammend. Nach mehreren Verwarnungspunkten machte Usupov kurzen Prozess und ging mit 0 zu 8 Punkten in Führung. Nach rund 4,5 Minuten Kampfzeit stockte Usupov sein Konto bis auf 0 zu 13 Punkte auf. Kurz darauf holte sich auch Dodos das erste Zählbare in diesem Fight und verkürzte zum 2 zu 13. Mit einem Suplex wie aus dem Lehrbuch konnte Usupov jedoch entscheidend punkten und gewann mit technischer Überlegenheit (2:18).

Schwache zweite Hälfte
In der zweiten Kampfhälfte konnten die Urner den Kriesserer nicht mehr die Stirn bieten und mussten den Sieg mit 13 zu 23 Punkten klar den Rheintalern zugestehen. Die Schattdorfer forderten die Ostschweizer zwar in der ersten Hälfte, konnten ihnen den Sieg jedoch nicht streitig machen. Insbesondere mit fünf verlorenen Kämpfen nach der Pause vermochten sie nicht mehr zu überzeugen und gaben die ersten zwei Tabellenpunkte ab. Als bester Fighter der Kriesserer wurde Isa Usupov gekürt. Er bekam ein Glas «flüssiges Gold» vom Imker Elias Kempf überreicht. Kempf seinerseits wurde als Best Fighter der RRS ausgezeichnet und wurde mit einer Urner Schokoladenspezialität beschenkt.

Nächste Woche Innerschweizer Derby
Nun gilt es aus den Fehlern zu lernen, weiter hart zu arbeiten und sich für das Innerschweizer Derby gegen Einsiedeln nächste Woche zu rüsten. Am 8. September kann dieser Kampf ab 20.00 Uhr in der Sporthalle Brüel in Einsiedeln verfolgt werden. Ob Nicolas Christen dann bereits wieder kampfbereit ist, wird sich im Verlauf der Woche zeigen. In der letztjährigen Saison konnten die Urner Einsiedeln einmal knapp mit 19 zu 18 Punkten besiegen, mussten sich aber in der Rückrunde mit 17 zu 23 geschlagen geben. Die Frage ob die RRS nächste Woche die ersten zwei Punkte nach Hause tragen wird oder ob sie in Schwyz verbleiben, bleibt noch offen und garantiert ein spannendes Derby.

Die nächsten Begegnungen der RRS:
08.09.2018 RR Einsiedeln – RRS
15.09.2018 RRS – Willisau Lions
22.09.2018 RS Freiamt – RRS
29.09.2018 RRS – RR Hergiswil
06.10.2018 RS Kriessern – RRS
13.10.2018 RRS – RR Einsiedeln
27.10.2018 Willisau Lions – RR Schattdorf
03.11.2018 RRS – RS Freiamt
17.11.2018 RR Hergiswil – RRS

Fotografin:
Regula Epp