Hitchcock führte Regie – Derbysieg auf den letzten Drücker!

In einem regelrechten Krimi sicherten sich die Schattdorfer im letzten Kampf des Abends den Derbysieg gegen Einsiedeln. Die RRS konnte so ihre bereits mehrmals angedeutete Leistungssteigerung verdeutlichen und einen ersten Sieg erkämpfen. So ein knapper Sieg gegen die Schwyzer gab es letztmals im Jahre 2014.

von Caroline Christen

Bereits vor dem Saisonstart war klar, dass Einsiedeln der Transfersieger ist. Mit gezielten und starken Zuzügen wurde das Team aus der Klosterstadt bereits vor dem ersten Kampf als ernstzunehmender Gegner eingestuft. Gerade für die Urner war Einsiedeln in den letzten Jahren stets ein sehr wichtiger Kontrahent im Kampf um den Abstieg. So verlor die RRS seit der Saison im Jahre 2014, nach dem Aufstieg der Einsiedler in die NLA im Jahr zuvor, keine einzige Begegnung gegen die Schwyzer. In Anbetracht der Aufstellungen der beiden Teams wurde offensichtlich, dass der Abend für die Urner schwer werden würde. Um als Sieger von der Matte gehen zu können und damit der Plan von Trainer Marco Gisler aufgeht, mussten alle eine Top-Leistung oder sogar etwas mehr bringen.

Einsiedeln konnte mit allen Verstärkungen antreten, wogegen Schattdorf auf seine in dieser Saison bereits bewährten Kräfte setzte. Doch dass Einsatz, Wille und Glaube bis zum Schluss einen Sieg ermöglichen, konnte in mehreren Kämpfen auf spannende Art und Weise mitverfolgt werden. Die zahlreichen Zuschauer bekamen ein attraktives Derby der Extraklasse zu sehen. Im ersten Duell zwischen Stephan Imholz und Dany Kälin zollten beide Ringer einander grossen Respekt. Imholz machte jedoch deutlich mehr für den Kampf. Nach der Pause zog er sich über dem linken Auge eine stark blutende Rissquetschwunde zu. Diese wurde vorerst auf der Matte (und später im Spital) verarztet. Die Verletzungszeit lief unerbittlich und nach knapp zweieinhalb der erlaubten drei Minuten wurde der Kampf fortgesetzt. Die beiden lieferten sich einen spannenden Kampf, welcher mit einer knappen Punktniederlage für Imholz von 4 zu 5 Punkten endete. So konnte dieser einen wichtigen Punkt für die RRS ins Trockene bringen. Michael Jauch und Sven Neyer kennen sich beide bestens. Neyer legte zwar einen besseren Start hin, musste jedoch kurz vor der Pause einige Schrecksekunden überstehen. Jauch konnte ihn beim Punktestand von 2 zu 6 beinahe auf die Schultern befördern, was eine spannende zweite Hälfte erhoffen liess. Jauch konnte jedoch aus den angeordneten Bodenlagen kein Profit schlagen und verlor mit 3 zu 6 Punkten. Erneut konnte ein wichtiger Zähler für die Mannschaft erkämpft werden. Sven Gamma dominierte gegen Patrick Dähler klar die Gangart und punktete nach Belieben. Beim Stand von 14 zu 0 Punkten agierte Gamma etwas übermütig und setzte zu einer Kopfklammer an. Diese risikobehaftete Aktion brachte ihm zwar Punkte zum Überlegenheitssieg ein, aber in der gleichen Aktion verbuchte auch sein Gegener zwei Punkte. Dieser eine Mannschaftspunkt für die Einsiedler könnte den Urnern am Schluss vielleicht zum Verhängnis werden. Andrii Vishar, der Gegner von Elias Kempf, ist seit diesem Jahr „Ringerschweizer“ (gebürtiger Ukrainer) und verstärkt neu die Einsiedler Equipe. Dieser legte seine ganze Routine sowie internationale Erfahrung in die Waagschale. Der amtierende Schweizermeister liess absolut nichts anbrennen und beförderte Kempf nach 95 Sekunden aus einer Bodenlage heraus auf die Schultern. Auf das nächste Duell zwischen Simon Gerig und Michel Schönbächler durften die Zuschauer gespannt sein. Schönbächler gewann seinen letzten Kampf gegen Kriessern, Gerig hingegen unterlag in beiden Fights zu Saisonbeginn. Eine spannende Affiche, welche besten Ringsport versprach. Gerig zeigte sich absolut auf der Höhe und seine Verteidigung nahm dem Einsiedler den ersten Elan. Mit einem Punkt Vorsprung gingen die beiden Akteure in die Pause. In den zweiten drei Minuten übernahm der Urner dann das Zepter und baute mit einer sehenswerten Viererwertung die Führung aus. Diesen Vorsprung vermochte Gerig bis zum Schluss verteidigen und sogar noch auf einen 6 zu 0 Punktesieg zu erweitern. Diese drei Punkte für die Schattdorfer ohne Punkte für den Gegner waren eine sehr gute Ausbeute, was zum 9 zu 9 Pausenstand führte.

Für die zweite Hälfte war Spannung angesagt, denn rein vom Papier her müsste
Einsiedeln in den folgenden fünf Kämpfen drei Siege verbuchen… Das Duell zwischen Lucas Epp und Tamas Ladanyi glich aufgrund des grossen Altersunterschiedes einer Begegnung zwischen Vater und Sohn. Der in der Schweiz unbekannte Ungare, welcher offenbar in seinen jungen Jahren ein starker Fighter war, trat gegen den noch jungen Schattdorfer an. Epp musste bisher in der WINFORCE League hartes Brot essen. Ladanyi ging schnell mit 4 zu 0 in Führung, doch dies beeindruckte Epp absolut nicht. Der nicht mehr so bewegliche Ungare musste sich nach einem Konter von Epp nach knapp zwei Minuten überraschend auf den Rücken legen lassen. Die Sensation und damit die (geforderte) Überraschung war Tatsache geworden. Ein Riesenjubel des jungen Schattdorfers nach diesem Lucky Punch ging bei den äusserst zahlreichen erschienenen Urnerfans durch Mark und Blut. Nun war das Derby so richtig lanciert und Gänsehaut war angesagt. Mateo Dodoš stiess auf den von Oberriet-Grabs zu den Einsiedlern gewechselte Flavio Freuler. Freuler konnte vor Kurzem an den Aktiv-Weltmeisterschaften in Paris den 10. Rang erkämpfen. Somit stand Dodoš ein starker Kontrahent gegenüber. Beide verzeichneten eine Passivität, welche Freuler vier Punkte in den ersten drei Kampfminuten einbrachte. In der zweiten Hälfte baute Freuler den Vorsprung weiter aus und eine Minute vor Kampfende stand es 0:11. Das Ziel, eine technische Unterlegenheit zu vermeiden, gelang Dodoš nicht. 17 Sekunden vor Schluss war die Partie mit 15 zu 0 Punkten zu Gunsten von Freuler zu Ende. Der mehrfache Medaillengewinner und Schweizermeister Andreas Burkard ging den Kampf gegen Renato Kempf resolut an. Er liess Kempf keinen Freiraum und führt bereits zur Pause mit 12 zu 0 Punkten. Nach wenigen Sekunden in der zweiten Hälfte konnte er den Vorsprung erhöhen und gewann durch technische Überlegenheit. Dies bedeutete die Führung für das Team aus Einsiedeln mit 17 zu 13 Punkten. Jeder einzelne Punkt in den zwei verbleibenden Kämpfen entschieden von nun an über Sieg und Niederlage. Wie bereits in den letzten Kämpfen von Kim Besse legte der amtierende Schweizermeister gegen Jan Neyer wie die Feuerwehr los und diktierte das Geschehen auf der Matte. Neben dem Sieg war es aber besonders wichtig, keinen Punkt abzugeben, denn wie gesagt: Jeder Mannschaftspunkt konnte entscheidend sein. Mit dem Pausenstand von 6 zu 0 leistete Besse bislang sehr gute Arbeit. Der nun ausgeglichene Kampf erhöhte die Spannung in der Halle merklich. Besse baute den Vorsprung aus, musste aber dem Gegner kurz vor Schluss einen Punkt zugestehen. War dies nun der eine Punkt, welcher die gesamte Partie entscheiden wird? Der 11 zu 1 Punktesieg durch Besse brachte Schattdorf auf 16 zu 18 Punkte heran. Nicolas Christen musste zum letzten und alles entscheidenden Kampf gegen den von der Ringerstaffel Sense zu den Einsiedlern gestossene Matthias Käser antreten. Käser wurde im letzten Jahr überraschend Schweizermeister, was einiges über die Qualität des Gegners von Christen aussagt. Der Urner seinerseits, am Vortag in Litauen noch an den Militär-Weltmeisterschaften kämpfend, hatte keine optimale Vorbereitung auf diesen Kampf. Nach einer sehr kurzen Nacht im Baltikum und der Flugreise zurück in die Schweiz musste er am Nachmittag noch Gewicht machen, um überhaupt zum Fight zugelassen zu werden. Wie würden sich all diese Strapazen auf die Kampfkraft von Christen auswirken? Der Hitchcock-Krimi hielt weiter an und ging in die alles entscheidende Schlussphase. Fragen über Fragen, welche Christen nur auf der Matte beantworten konnte. Das Ziel waren drei Mannschaftspunkte ohne gegnerischen Punkt zu erringen. Beide Kämpfer bekamen zu Beginn eine Passivität aufgebrummt. Während Christen in der Bodenlage durch Käser keinen Zentimeter bewegt werden konnte, beförderte der Urner den Sensler wiederholt in die Luft und versuchte ihn zu werfen. Käser wehrte sich jedoch mit verbotener Beinarbeit, was der Kampfrichter mit zwei Verwarnungen und Punkten für den Schattdorfer wertete. In der Pause stand es 8 zu 0 für Christen, was die notwendigen drei Mannschaftspunkte bedeutete, doch es standen noch drei weitere Minuten auf der Kampfuhr. Auch in der zweiten Hälfte war Christen der aktivere Ringer, doch Käser konterte prompt. Christen verteidigte in dieser heissen Phase bravourös und gestand Käser keinen Punkt zu. Im Gegenteil, er baute den Vorsprung weiter aus. Doch das Damoklesschwert hing weiter über der Matte, ja keinen Punkt abzugeben. Käser konnte jedoch nicht mehr weiter zusetzen und brachten den wichtigen Zu-Null-Sieg nach Hause. Der Jubel war gross, als das Schlussergebnis von 19 zu 18 feststand.

Dieser wichtige Kampf gegen den Abstieg in die NLB bzw. für den Einzug in die Play-Offs konnten die Urner für sich entscheiden. Nur durch eine geschlossene Mannschaftsleistung und dem (notwendigen) Überraschungssieg von Lucas Epp konnte dieses Resultat Tatsache werden. Die Schattdorfer konnten somit die rote Laterne an Einsiedeln abtreten und blicken nun doch einiges hoffnungsvoller auf die kommenden Kämpfe. Nächsten Samstag gastiert der Tabellenführer Willisau um 20.00 Uhr in Schattdorf. Aufgrund der kurzfristigen WM-Teilnahme wird Linda Indergand jedoch nicht wie angekündigt am Match teilnehmen. Im Vorfeld wird von 18.00 bis 19.00 Uhr aber trotzdem das gratis Schnuppertraining für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahre angeboten. Danach kann gemeinsam mit den Eltern kostenlos das Duell zwischen der RRS und dem Tabellenführer live verfolgt werden. Weitere Informationen können auf der Homepage www.rrschattdorf.ch entnommen werden.

Fotos: Regula Epp